Manifestation der Händigkeit im Kindesalter

Immer mehr Wissenschaftler sind sich einig, die Händigkeit scheint mit genetisch bedingt zu sein und ist somit jedem Menschen innewohnend. Wie speziell die Linkshändigkeit vererbt wird, ist bisher jedoch nicht bekannt. Es wurde z.B. noch kein Gen gefunden, auf welchem Linkshändigkeit hinterlegt ist. Darüber hinaus wird die Händigkeit in ihrer Ausprägung häufig nachwievor bewusst oder unbewusst vom Umfeld beeinflusst. Auch der natürliche Wille zur Nachahmung auf Seiten der Kinder kann die Händigkeit beeinflussen.

Doch wie und wann manifestiert sich die Händigkeit eines Menschen?

Es gibt Wissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass manche Babies schon im Mutterleib bevorzugt an einem bestimmten Daumen nuckeln. Andere Kinder zeigen als Neugeborene anhand asymmetrischer Körperhaltung Vorlieben. Bei 8 - 10 Monate alten Kindern kann vereinzelt das Greifen mit einer bevorzugten Hand beobachtet werden, mit 14 Monaten zeigen manche Kinder bereits eine Handpräferenz auch bei bimanuellen Tätigkeiten. Es gibt inzwischen auch zur Händigkeit genug Entwicklungsübersichten, in denen tabellarisch aufgeführt wird, in welchem Alter Kinder bestimmte Dinge können. Doch Achtung! Diese können jeweils nur Anhaltspunkte liefern, die wirkliche Entwicklung ist bei jedem Kind individuell!

Als Faustregel kann gelten:
Mit ca. 2 Jahren ist bei den meisten Kindern eine Handpräferenz in spontanen Handlungen, wie z.B. Greifen nach dem Lieblingsspielzeug erkennbar. Aber Vorsicht allein durch die Anordnung des Lieblingsspielzeuges besteht eine hohe Beeinflussungsgefahr.
Eine Leistungsdominanz entwickelt sich später als die Handpräferenz. Bei manchen Kindern (vorallem denen, die z.B. gerne malen) ist ein Unterschied in feinmotorischen Leistungen schon mit vier Jahren zu erkennen, bei anderen Kindern erst mit 5 Jahren. Spätestens bei Schuleintritt sollte eine Leistungsdominanz jedoch zu erkennen sein.

Ist im Vorschulalter immer noch nicht erkennbar, welche Händigkeit ein Kind hat, sollte spätestens dann ein geschulter Linkshandberater und/oder Ergotherapeut aufgesucht werden, um die Händigkeit testen zu lassen. Manchmal treten in der kindlichen Entwicklung auch andere Schwierigkeiten auf, so z.B. Mangelnde Rumpfrotation, fehlendes Kreuzen der Körpermittellinie oder noch vorhandene frühkindliche Reflexe, welche die Ausprägung der Händigkeit sowie Schulung der Feinmotorik beeinträchtigen können. Leider fallen solche Schwierigkeiten nur allzu oft erst bei der Vorschuluntersuchung auf. Die Kinder starten dann häufig auch bei intensiver Förderung und Beratung noch mit Schwierigkeiten in den Schulalltag. Und dies betrifft linkshändige Kinder vermutlich häufiger als rechtshändige. Insgesamt wird in der Wissenschaft immer wieder die Meinung vertreten, dass bei linkshändigen Kindern später als bei rechtshändigen eine deutliche Handpräferenz zu erkennen ist. Nicht zuletzt aufgrund von gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen scheinen sie länger einen wechselnden Handgebrauch zu haben. Sie versuchen es sozusagen länger mit beiden Händen, haben dadurch meistens auch weniger stark ausgeprägte Unterschiede in der Leistungspräferenz beider Hände (s. auch „Was ist ein Händigkeitstest?“). 

Text: M. Zotter
Ergotherapeutin
BSc "Occ. Ther."
(Bachelor of Science for Occuptional Therapy)