Linkshänder und „Ihre Probleme“: das linkshändige Kind in der Schule

Die Fachliteratur ist sich einig, die ersten Wochen im Erlernen des Schreibens sind enorm wichtig. Doch was, wenn die Eltern oder der Lehrer extreme Rechtshänder sind und dem Kind dementsprechend schlecht durch vormachen helfen können? Hier kann das Hinzuziehen von linkshändigen Bekannten, Freunden, Angehörigen oder auch älteren linkshändigen Patenkindern aus der Schule helfen.

In der Schule selbst sollten Lehrer und Kinder grundlegende Informationen haben, wie ein günstiger Sitz- und Arbeitsplatz für linkshändige Kinder einzurichten ist. Folgendes ist zu beachten (s. auch Informationsblatt zum Schreiben mit der linken Hand):

Linkshänder sollten mit dem linken Arm an der Tischaußenseite sitzen; keinesfalls rechts von einem Rechtshänder, da sich die Kinder sonst mit den Armen ihrer Schreibhände gegenseitig behindern.

Das Licht sollte möglichst von vorn, oben (parallel zur Blickrichtung) oder rechts kommen, um Schattenbildungen durch die Schreibhand auf dem Papier zu vermeiden.

Das Blatt sollte schräg mit einem Winkel von ca. 30 ° nach rechts geneigt liegen. Dies dient der Vermeidung der sog. „Hakenhand“, welche viele Kinder von sich aus einnehmen, um das Geschriebene nicht zu verwischen. Eine Schreibtischauflage (s.Linkshänder Shop) für Linkshänder kann helfen, die richtige Anordnung des Blattes zu finden. Es ist von Anfang an auf eine lockere Handhaltung beim Schreiben zu achten, da eine verkrampfte Hand bzw. die sog. „Hakenhand“ mit zunehmenden Schreibumfang häufig zu Schwierigkeiten führt.

Alle Schreib- und Leseanfänger vertauschen anfangs Buchstaben oder schreiben einmal spiegelverkehrt. Linkshändern fällt es zum Teil jedoch deutlich schwerer von ihrer spontanen Blick- und Schreibrichtung (von recht nach links) wegzukommen. Sie müssen bewusst lernen, dass unsere Schrift von links nach recht geschrieben und gelesen wird. Manchmal helfen hier Kennzeichnungen am Rand, den Anfang leichter zu finden.
Collegeblöcke gibt es mit Linkshandbindung rechts (s.Linkshänder Shop), die vermeidet das die Hand störend auf der Bindung aufliegt. Noch besser sind Spiralbindungen an der Blattoberseite. Einzelne Blätter beschreiben sich ausgeheftet einfacher als wenn sie bereits in Übungsheftern sind.
Linkshänder ziehen nicht, sondern sie schieben den Stift über das Blatt. Dafür müssen sie regelmässig absetzen. Besonders bei der verbundenen Schreibschrift führt dies häufiger zu Problemen. Auf das Absetzen und Nachrutschen der Hand nach 2-3 Buchstaben ist von Anfang an zu achten. Weniger schwierig ist die Druckschrift.

Beim Abschreiben bzw. Wiederholen von Buchstaben und Wörtern auf eine Zeile, können diese am rechten Blattrand vorgeschrieben werden. Linkshändige Schreibanfänger verdecken links sonst das zu schreibende Wort, und müssen es sich entweder merken (und benötigen dafür mehr Merkfähigkeit) oder die Hand beim Schreiben anheben, um nachzusehen.

Weiche und dickschreibende Stifte sind für Linkshänder einfacher zu handhaben. Linkshandfüller (s. Linkshänder Shop) haben anders geformte Griffmulden und eine anders geschliffene Feder. Faserstifte bieten darüber hinaus den Vorteil, dass sie schneller trocknen. Das Geschriebene wird weniger verwischt.

Bei Schwierigkeiten bieten sich grafomotorische Trainings im Rahmen einer Ergotherapie oder Zeichenprogramme bzw. Nachspurübungen für Linkshänder für zu Hause an.

 

Text: M. Zotter
Ergotherapeutin
BSc "Occ. Ther." (Bachelor of Science for Occuptional Therapy)

Literatur: Kisch, Andrea & Pauli, Sabine: Linkshänder und Kinder mit wechselndem Handgebrauch in der Ergotherapie. Erschienen in Praxis Ergotherapie. Jg. 24 (3). Juni 2011. S. 144-149