Linkshänder

 

Es wird davon ausgegangen, dass die Ausbildung der Dominanz einer Hand beim Menschen evolutionsbedingt ist. Der Mensch als am höchsten entwickeltes Säugetier konnte seine Entwicklung nur durch die Spezialisierung der Hirnhälften und vielfältiger Verknüpfungen der spezifischen Hirnareale erreichen. Das menschliche Gehirn ist ein hochkomplexes System, zur Steuerung aller Funktionen des menschlichen Körpers. Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Hirnhälften, den sog. Hirnhemisphären. Diese sind wiederum über Hauptnervenstränge über Kreuz mit den zwei Körperhälften verbunden. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die rechte Hirnhälfte die linke Körperhälfte und die linke Hemisphäre die rechte Körperhälfte steuert. Man spricht hier von „funktioneller Asymmetrie“. Somit sind die Hirnhälften auch wesentlich an der Ausprägung einer Händigkeit beteiligt. Besonders entscheidend für die Händigkeit scheint die Frage nach der dominanten Hirnhälfte für Sprachfunktionen zu sein. Hierin begründen sich wiederum mögliche Probleme in der Sprachverarbeitung und Wiedergabe sowie möglichen Lese-Rechtschreibproblemen bei umgeschulten Linkshändern (s. auch „Folgen einer Umschulung der Händigkeit“).
Eine Dominanz tritt im Normalfall im Übrigen nicht nur bzgl.. der Hände auf. Sie lässt sich ebenso bei den Augen, Ohren oder Beinen erkennen. Häufig hört man hier auch den Begriff der „gekreuzten Lateralität“, nämlich dann, wenn z.B. die rechte Hand, aber das linke Auge oder die linke Hand, aber das rechte Bein dominant sind.

Bei einer Definition der Händigkeit gilt es prinzipiell zwei Aspekte zu berücksichtigen. Zum einen die Handpräferenz, d.h. die Bevorzugung einer Hand im (spontanen) Handgebrauch, und zum anderen die Leistungsdominanz. Letztere gibt Antwort auf die Frage, welche Hand bei der Durchführung feinmotorischer Aufgaben die besseren Ergebnisse z.B. hinsichtlich Tempo oder Genauigkeit erzielt (s. Auch „Was ist ein Händigkeitstest?“).
Die dominante Hand kennzeichnet sich dadurch aus, dass sie bei spontanen Handlungen der Hauptakteur ist und hinsichtlich Feinmotorik und Geschicklichkeit die „bessere“ also leistungsfähigere Hand ist. Die nicht-dominante Hand hat hingegen eher Haltefunktion und begleitet bimanuelle (beidhändige) Handlungen. Es hat somit jede Hand ihre spezifischen Aufgabenbereiche.
Wichtig dabei ist auch, dass eine Händigkeit nicht im Sinne eines entweder-oder existiert, sondern vielmehr als Kontinuum. In seltenen Fällen verfügt ein Mensch über vergleichbare Leistungen beider Hände, man spricht dann von einem Ambidexter, einem sog. Beidhänder. Letztere sind jedoch nicht mit umgeschulten Linkshändern zu verwechseln, welche aus der Not eine Tugend gemacht haben, und daraufhin für manche Tätigkeiten beide Hände nutzen können.Typisch ist jedoch, das ein Rechtshänder seine linke Hand weitaus seltener einsetzt als ein Linkshänder seine rechte Hand. Linkshänder haben zumeist weniger deutliche Leistungsunterschiede als Rechtshänder.


Anteil der Linkshänder:
Lange Zeit galten Linkshänder in allen Kulturkreisen als selten. Ursachen dafür sah man sowohl in der funktionellen Gliederung des Gehirns, in genetischen Faktoren als auch in gesellschaftlichen Bedingungen. Mittlerweile liegen die meisten Studien bei einem Verhältnis von 30:70 zwischen links- und rechtshändigen Menschen. Es werden aber auch immer mehr Untersuchungen veröffentlicht, die von einer Gleichverteilung ausgehen. Gerade unter älteren Menschen wird aufgrund der früher sehr hohen Umschulungsquote der Anteil von linkshändigen Menschen häufig verkannt.


Text: M. Zotter
Ergotherapeutin
BSc "Occ. Ther."
(Bachelor of Science for Occuptional Therapy)

Literatur:
Wikipedia (2012)