Beratung von Eltern linkshändiger Kinder

Vor allem bei anspruchsvollen Tätigkeiten, welche Feindosierung und genaue Bewegungen beanspruchen bevorzugt das Linkshändiges Kind seine linke Hand. Daher wird es diese, soweit es nicht anderweitig beeinflusst wird auch zum Schreiben und Malen nutzen.

Eine gute Beratung von Eltern linkshändiger Kinder beinhaltet vor allem bei noch jüngeren Kindern das Aufzeigen von Risiken einer Beeinflussung der Händigkeit. Es können z.B. Hinweise zum „neutralen“ Tischdecken und Anordnen von Malutensilien gegeben werden, die dem Kind eine freie Handwahl lassen. Wird die linke Hand spontan zur Begrüssung gereicht, sollte dies kein Problem darstellen. Sätze wie „Gib die gute Hand!“ bringen gerade jüngere Kinder in Bedrängnis. Darüber hinaus müssen mögliche Vorurteile ausgeräumt werden. Ein Linkshändiges Kind ist nicht weniger intelligent oder lernfähig als ein rechtshändiges. Auch auf die Gefahren und Folgen einer Umschulung müssen Eltern hingewiesen werden. Eine Umschulung der Händigkeit ändert nicht die Dominanz der Hirnhälfte. Sie greift vielmehr störend in die Verarbeitungsprozesse des Gehirns ein. Eine Überlastung der nicht dominanten Hirnhälfte führt dazu, dass das Kind ständig ein mehr an Energie, Konzentration und Aufmerksamkeit aufbringen muss.

Die Aufklärung über mögliche Probleme im Gebrauch von Gegenständen für Rechtshänder und den Gebrauch sinnvoller Adaptionen oder Linkshandartikel auch im schulischen Rahmen nimmt einen wesentlichen Teil der Beratung ein. Darüber soll sicher gestellt werden, dass das linkshändige Kinder auch die Voraussetzungen erhalten, um genauso gut wie seine rechtshändigen Mitschüler lernen zu können. Sicher, auch das linkshändige Kind kann mit einem „normalen“ Füller schreiben oder mit einer „normalen“ Schere schneiden. Es wird das Kind aber deutlich mehr Kraft kosten mit einem solchen sauber zu schreiben oder zu schneiden und das Ergebnis ist am Ende im Vergleich zu Freunden und Altersgenossen immer noch frustrierend. Darüber hinaus wissen manche Eltern schon am Ende der Grundschulzeit nicht mehr, wieviele Füller sie ihrem Sprössling bereits kaufen mussten, da immer wieder die Spitze verbogen und der Füller somit unbrauchbar geworden ist.  

 

Text: M. Zotter
Ergotherapeutin
BSc "Occ. Ther." (Bachelor of Science for Occuptional Therapy)

Literatur: Kisch, Andrea & Pauli, Sabine: Linkshänder und Kinder mit wechselndem Handgebrauch in der Ergotherapie. Erschienen in Praxis Ergotherapie. Jg. 24 (3). Juni 2011. S. 144-149